Interview-Überleben mit Leichtigkeit

Leben und Überleben mit Leichtigkeit

Gewandtheit beim Stürzen und mentale Stärke retteten Robert Hoppaus das Leben

30m Absturz mit nur leichten Verletzungen überlebt – Über den Umgang mit Grenzerfahrungen "Leichtigkeit in einer Gletscherspalte"

ImageFoto: Bergrettung Prägraten

„Es war wie eine Rodelfahrt im Dunkeln mit sprühenden Schnee. Dann war ich kurz weg. Ich bin so sanft gelandet wie auf Samt gepolstert.....“ erzählt Robert Hoppaus über seine Grenzerfahrung. Der aus Graz stammende Persönlichkeitstrainer fiel am 12. April 2011 dreißig Meter tief in eine Gletscherspalte und verletzte sich kaum. Leichtigkeit im Denken und Handeln, erklärt er, das sei seine Stärke. Der Mann hat seine eigenen Regeln beherzigt: “Leichtigkeit bedeutet Selbstkompetenz, um in entscheidenden Situationen gelassen und intelligent zu handeln.” Steht gleich als erster Satz auf seiner Homepage www.leichtigkeit.com

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Interviewer: Herr Hoppaus, Sie haben eine Grenzsituation überlebt. Wie geht es Ihnen danach? Was hat sich in Ihrem Leben verändert?

Hoppaus: Im Nachhinein geht es mir noch besser als vorher. Ich konnte in dieser entscheidenden Situation Gelassenheit bewahren und handlungsfähig bleiben. Indem ich die Situation so bewusst durchlebt habe, empfinde ich den Alltag jetzt als noch angenehmer. Selbst mittelschwere Vorkommnisse stellen kaum ein Problem dar und lassen sich mit Leichtigkeit bewältigen. Auf dieser Ebene war dies natürlich ein Geschenk. Generell tendieren wir Menschen dazu Kleinigkeiten viel zu ernst und viel zu schwer zu nehmen. Solch eine Grenzsituation lässt jeden die Herausforderungen des Alltags mit mehr Humor zu nehmen und Aufgaben mit mehr Freude zu erfüllen.

ImageFoto: Bergrettung Prägraten

Interviewer: Muss man dann in solch vermeintliche Schwierigkeiten geraten, um ins Leben mehr Leichtigkeit zu bringen?

Hoppaus: „Nein natürlich nicht! Es reichen auch die vielen kleinen und mittleren Herausforderungen des Alltags. Aber wir Menschen tendieren dazu, auszuweichen, wenn wir uns ärgern oder unangenehm fühlen. Dann erleben wir solche Situationen nicht mehr bewusst. Das Lernen hört auf und wir haben aus Unfällen, großen Problemen nichts gelernt. Wenn ich aber wirklich präsent dabei bin, lässt der Schmerz nach und plötzlich ist man frei. Oder es kommt keine Panik auf. In meinen Trainings lernt man auch, wie man in solchen Situationen positive Gedanken und Emotionen schafft, um diese Situation zu bewältigen und mit klarem Kopf handlungsfähig zu bleiben.

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Foto:Bergrettung Prägraten

Interviewer: Viele Menschen würden nach so einer Situation nicht mehr auf einen Gletscher gehen. Haben Sie nun Angst davor, würden Sie wieder bergsteigen?

Hoppaus: „Auf jeden Fall! Und genau das ist der springende Punkt. Ich kann in die Angst gehen und solche Situationen versuchen zu vermeiden. Aber hiermit wäre das Thema nicht gelöst. Es kommen andere Herausforderungen, die ähnliche Emotionen hervorrufen und uns wieder als Problem scheinen, oder den Alltag versauern. Die Einladung bleibt, sich dieser Situation bewusst zu stellen, um den Zustand der Leichtigkeit wiederherzustellen. Das heißt gerade auch sich der Angst zu stellen, dann stellt sich das Glücksempfinden ein, das wir uns oft so sehr wünschen. Ich gebe ein Beispiel: Wenn ein kleines Kind auf zwei Beinen stehen lernt, versucht es dies auf einem Bein auch zu tun. Dabei lernt es auf zwei Beinen noch besser zu stehen. Der Lernerfolg ist unmittelbar spürbar, besonders bei kleinen Kindern, weil sie so bewusst die Situation fühlen. Das Kind steht unmittelbar danach stabiler und leichter auf zwei Beinen. Ähnlich ging es mir in der Gletscherspalte zumal ich da auch auf einem Bein längere Zeit stehen musste. Der direkte Vergleich trifft aber auf das Wohlgefühl, bzw unsere Emotionen zu: Wenn es mir im Leben gut geht und ich die Bedingungen und das Umfeld erschwere, also durch Herausforderungen, Hürden oder gar Unfälle, und dabei aber bewusst lerne, mein Gehirn wieder in die Leichtigkeit zu bringen und mich wieder gut zu fühlen, dann geht es mir in der Normalsituation im Alltag noch besser. So erreiche ich Quantensprünge im Gefühlsleben und Glück. Das heißt es ist sehr stark die innere Einstellung, die sich ändert, dass ich subjektiv mich besser fühle und Leichtigkeit und Freude empfinde.

Foto: Bergrettung Prägraten

Interviewer: Haben Sie bei Ihrem Sturz Glück gehabt?

Hoppaus: „Ja sicherlich auch. Aber wie schon das Sprichwort sagt, jeder ist seines Glückes Schmied. An der Leichtigkeit im Leben kann man arbeiten und das lohnt sich!

 

Interviewer: Herr Hoppaus, Sie sind 30m tief bei Ihrer Schitour in die Gletscherspalte gefallen. Normalerweise verunglückt man in solchem Fall tödlich, Sie haben sich kaum verletzt. Wie haben Sie sich in der Spalte gefühlt. Welche Gedanken hatten Sie da?

Hoppaus: Die Gedanken waren sehr praktisch und neutral: „Ahaa, jetzt bin ich in einer Spalte. Da komme ich wieder raus.“ Dann hatte ich mich umgesehen und gefühlt, dass es mir ganz gut geht. Gott sei Dank habe ich kaum Schmerzen und bin sicher auf dieser kleinen Eisstufe gelandet. Nachdem ich nur auf einem Bein stehen konnte, weil der Tritt nur so klein war, habe ich mich umgesehen, wie ich denn besser stehen konnte. Ich war froh, dass einen halben Meter höher eine größere Stufe war, auf welcher zwei Füße Platz hatten. Mit letzter Kraft habe ich mich hochgezogen und erreichte einen besseren Stand. Aufgrund meines jahrelangen Trainings in Gelassenheit und Leichtigkeit, kam weder Hektik noch Panik auf. Ich konnte dadurch selbst in dieser heiklen Situation rationale Entscheidungen treffen, wie zum Beispiel, dass ich den einen Ski so in der Spalte verkeilte, damit er wie eine Sicherung diente um nicht noch tiefer abstürzen zu können.

Foto: Bergrettung Prägraten

Interviewer: Genau, die Spalte war ja ca. 100m tief. Wurde Ihnen nicht kalt oder hatten Sie Angst, dass die Retter nicht rechtzeitig kommen würden?

Hoppaus: „Nein im Gegenteil, ich hatte großes Vertrauen auf meine baldige Rettung wodurch ich geduldig wartete. Die ca. 1,5 Stunden vergingen dann relativ schnell bis der Rettungshubschrauber an der Unglücksstelle landete und der Bergretter sich zu mir hinunter abgeseilt hatte. Weil das Wetter unsicher war, dauerte alles auch etwas länger. Mein Bergkamerad Michi zitterte mehr, weil er nicht wusste, wie lange ich es auf diesem Tritt aushalten würde und wann die Bergrettung käme. Aber wie gesagt, diese Leichtigkeit und Präsenz sicherte mein Leben!

 

Interviewer: Stichwort Leichtigkeitsmethode, die Sie entwickelt haben: Von Beruf her sind Sie Persönlichkeitstrainer. Konnte Ihnen das helfen?

Hoppaus: „Ganz bestimmt. Mit der Leichtigkeitsmethode lernen Sie im entscheidenden Moment das Richtige zu tun. In herausfordernden Situationen können Sie dann sicher und gelassen handeln, um Ihr Ziel zu erreichen. in solch einer Situation, wo Sie in Panik geraten, zittern oder sogar handlungsunfähig werden könnten, zentrieren Sie sich und reagieren dann intelligent. Wie schon Dale Carnegie sagte „Sorge Dich nicht, lebe“ erreichen Sie mit der Leichtigkeitsmethode positive Gedanken und Emotionen. Dieser Mentalzustand hilft Ihnen selbstkompetent wichtige Situationen zu meistern. Sie handeln dann mit Ihrem vollem Potenzial, finden kreative Lösungen und erfüllen Ihre Aufgaben effektiv mit Freude: Besonders auch wenn Sie im Alltag in Hektik geraten, mit Schweinehund zu kämpfen haben, sich über etwas oder jemanden ärgern, oder sich nicht konzentrieren können und wenn ihnen beim Arbeiten nicht das Richtige einfällt. Ebenso wenn Sie nach einer wichtigen Lebensentscheidung suchen. Ganz einfach wenn es darum geht, schnell und sicher zu handeln.

 

Interviewer: Normalerweise ist man nach solch einem Sturz ins Leere sehr schwer verletzt oder sogar tot. Sicherlich gibt es Wunder. Nun habe ich gelesen, dass Sie auch mit der Feldenkraismethode arbeiten und mit dieser lernt man richtig fallen. Was bedeutet das?

Hoppaus: „Mit Feldenkrais lernt man sich so zu bewegen, dass man sicher stürzt und wieder auf die Beine kommt. Deshalb lernen es viele Kampfsportler, gerade beim Judo geht es nur ums Fallen und da sollte man sich nicht jedes Mal verletzen. Herr Feldenkrais, Erfinder der Methode war der erste Europäer mit schwarzem Gürtel im Judo. Aber das gilt dann auch für jede andere Sportart oder jede Situation in der man fällt. Zum Beispiel wenn man beim Eislaufen stürzt, dann dreht man sich wie eine Schraube und nimmt dadurch die Fallgeschwindigkeit heraus. Mann fällt dann ganz weich und tut sich kaum weh. Instinktiv habe ich mich also bei meinem Sturz richtig bewegt, sodass ich sanft gelandet bin, als ob nichts gewesen wäre und nur leichte Verletzungen hatte. Auch wenn man kurze Zeit das Bewusstsein verliert, wie in meinem Fall eine Sekunde lang, fällt man automatisch richtig. Ich hatte mir nur ein paar Rippen gebrochen und das Schulterblattende angeknackst.

 

Interviewer: Können Sie sich vorstellen, was eigentlich im schlimmsten Fall hätte passieren können?

Hoppaus: „Als ich nach der Bergung von der Bergrettung hörte, jederzeit könnten Eisbrocken auf uns fallen, oder ich könnte auf diesem kleinen Tritt ausrutschen, war ich sehr froh, dass ich aus der Gefahrenzone war. Denn ich hätte auch sehr tief hineinfallen und dann in der Enge unten festklemmen können. Dann hätte man mich herausfräsen müssen...Insofern bin ich sehr dankbar, dass ich so gut gerüstet war und auch die nötige Portion Glück hatte. Ich bin auch sicher, dass mir ohne mein so genanntes „Überlebenstraining mit der Feldenkrais- und Leichtigkeitsmethode“ mehr passiert wäre.

 

Interviewer: Dann könnte man Ihre Arbeit auch eine Art Überlebenstraining nennen?

Hoppaus: „Ja, dass man in Extremsituationen gelassen bleibt und rationale Entscheidungen fällen kann, um zu überleben. Wir Menschen betrachten oft unseren Alltag und die kleinen Probleme als ob es um Leben und Tod ginge. Genau da lernt man umzudrehen, sich bei Kleinigkeiten nicht so aufzuregen und die schönen Dinge des Lebens zu genießen, dankbar zu sein und im Leben Freude zu haben. Dann behalten Sie in den Herausforderungen des Alltags klaren Kopf und eine gute Portion humorvollen Abstand. Sie tun dann auch effektiv und leistungsfähig genau das Richtige anstatt in Panik oder Ärger zu geraten, dass Sie handlungsunfähig werden und unüberlegt falsche Entscheidungen treffen. Aus dem Zustand der Leichtigkeit, andere nennen ihn auch Flow (maximales Glücksgefühl), alpha-zustand (erhöhte Lernbereitschaft) oder Hochleistung in der Entspannung, meistern Sie dauerhaft Ihr Leben, sie verfügen über genügend Zeit und tun mit Freude, was Sie wirklich wollen!

 

Interviewer: Jetzt würde mich natürlich interessieren, wie man diesen Zustand der Leichtigkeit erreicht. Können Sie mir einen Kurzeinblick geben?

Hoppaus: „Das Wesentliche ist zu lernen, die Emotion zu steuern, denn diese ist die Triebkraft allen Handelns. Ich zeige Ihnen Ihren individuellen Werkzeugkoffer, wie Sie negative Emotion abbauen, Emotionen steuern und dann auch diese Energie (Motivation), die aus der Emotion kommt, verwenden. Robert Hoppaus, www.leichtigkeit.com